Prototypische Unternehmenssoftware mit integriertem Kundenportal
Bachelorarbeit zur nutzerzentrierten Analyse, agilen Planung und technischen Entwicklung einer branchennahen ERP-/Portalplattform für Recyclingprozesse.
Aufbauend auf dem Praxisprojekt 2022 verband die Bachelorarbeit Double-Diamond-Discovery, Scrum-Planung und DevOps-Auslieferung, um ERP-nahe Unternehmenssoftware mit integriertem Kundenportal zu gestalten. Untersucht wurden operative Schmerzpunkte eines mittelständischen Holzrecyclers; Bedarfe wurden per Umfrage und Interviews validiert. Prototypisch entstand ein digitaler Annahme-/Wiegeprozess inklusive OCR- und ML-Unterstützungskonzepten.
Die Studie auf einen Blick
149
Umfrageantworten
Kunden- und Stakeholder-Feedback zu digitalen Serviceerwartungen
91
Anforderungsmatrizen
Strukturierte Anforderungs- und Priorisierungsartefakte
17
Rollen
Rollenmodell für interne und kundenseitige Zugriffe
6
Sprints
Scrum-Inkremente für Planung und Umsetzung
132
Datenbanktabellen
Breite des Datenmodells für ERP-nahe Prozesse
5
Sprachen
Mehrsprachige Ausrichtung des Portalkonzepts
✓
Interviews
Qualitative Validierung mit operativen Stakeholdern
1
Annahmeprozess
End-to-End digitaler Wiege-/Annahmeprozess gestaltet
Probleme und Lösungsrichtungen
Intransparente Preise
Lösung: Vertrags- und Preisdokumente im Portal mit klarem Gültigkeitskontext bereitstellen.
Fehlende Dokumente
Lösung: Wiegescheine, Verträge und Rechnungen zentral on demand abrufbar machen.
Schwache Datenqualität
Lösung: strukturierte Annahmefelder erzwingen und Medienbrüche reduzieren.
Wiegeabweichungen
Lösung: deklarierte vs. gemessene Gewichte verknüpfen und Reklamationen digital stützen.
Begrenzte Hofkontrolle
Lösung: digitale Annahmeschritte und Hoflisten für bessere Vor-Ort-Sichtbarkeit.
Wartezeiten
Lösung: Lieferungen vorankündigen und Check-in vor der Waage straffen.
Ausfallanfälligkeit bei Abwesenheit
Lösung: rollenbasierter Zugriff und geteilte digitale Akten reduzieren Einzelpersonenabhängigkeit.
Rechnungsnachverfolgung
Lösung: durchsuchbares Rechnungsarchiv mit PDF-Download im Kundenportal.
Kapazitätsunsicherheit
Lösung: Dispositionsansichten und Buchungssignale für Container und Zeitfenster.
Geringe Prozesssichtbarkeit
Lösung: statusorientierte Portalansichten für Annahme, Wiegen und Nachverfolgung.
Forschungsfragen
F1 – Nutzerbedarfe
Welche Kunden- und internen Bedarfe sollte ein Branchenportal zuerst adressieren?
F2 – Methodikfit
Wie lassen sich Double Diamond, Scrum und DevOps in diesem Kontext verbinden?
F3 – Prozessgestaltung
Wie ist ein digitaler Annahme-/Wiegeprozess End-to-End zu strukturieren?
F4 – Technische Machbarkeit
Welche Architektur, welches Datenmodell und welche Tools tragen einen ERP-nahen Prototyp?
F5 – Nutzen und Grenzen
Welche Nutzen sind plausibel und welche Grenzen bleiben für den Produktionsrollout?
Methodenmodell
-
Briefing
Unternehmenskontext, Rahmenbedingungen und Erfolgskriterien mit Stakeholdern klären.
-
Analyse
Bedarfe über Interviews, Umfrage, Prozessmapping sowie Wettbewerbs-/SWOT-Sichten erheben.
-
Planung
Insights in Backlog, Rollen, Epics und sprinbare Inkremente übersetzen.
-
DevOps-Entwicklung
Prototyp in kurzen Zyklen implementieren, integrieren, testen und ausliefern.
Ziele
Erlösqualität stützen
Verluste durch Abweichungen, Reklamationen und verzögerte Dokumentation reduzieren.
Manuellen Aufwand senken
Wiederholte Telefon-/E-Mail-Dokumentarbeit durch Self-Service ersetzen.
Kunden gewinnen und binden
Modernen Digitalkanal neben persönlichem Service anbieten.
Zufriedenheit steigern
Transparenz zu Preisen, Dokumenten und Annahmestatus verbessern.
Personaldruck lindern
Unterbrechungslast an Waage und Büro senken.
Datenqualität verbessern
Strukturierte Daten früher in der Annahmekette erfassen.
Annahme beschleunigen
Warte- und Bearbeitungszeit durch Vorerfassung und OCR-Unterstützung verkürzen.
Interview-Findings
Rollenklarheit ist essenziell
Zugriff und Verantwortlichkeiten müssen reale Hof- und Bürorollen spiegeln.
Multi-Standort-Realität
Prozesse unterscheiden sich je Standort und müssen konfigurierbar bleiben.
Schnittstellen dominieren den Aufwand
ERP- und Peripherieanbindungen sind kritische Pfadpunkte.
Forecast-Bedarf besteht
Planungsqualität hängt von früheren, saubereren Annahmesignalen ab.
Doppelarbeit ist häufig
Medienbrüche führen zu wiederholter Erfassung derselben Fakten.
Integration statt Isolation
Ein Portal schafft nur Nutzen, wenn es eng an operative Daten angebunden ist.
Umfragewerte
| Aussage | Score |
|---|---|
| App-basierte Bereitstellung von Dokumenten | 4.30 |
| Digitaler Zugang zu Wiegescheinen | 4.22 |
| Online-Rechnungsarchiv | 4.15 |
| Transparente Vertrags- und Preisdokumente | 4.08 |
| Statussichtbarkeit für Lieferungen | 3.95 |
| Termin- und Containerbuchungsunterstützung | 3.88 |
| Mobile Nutzbarkeit vor Ort | 3.76 |
| Self-Service-Stammdatenaktualisierung | 3.64 |
| Qualitäts- und Mengenreports | 3.51 |
| Chat-/Kontakteskalation bei Bedarf | 3.42 |
| Persönlicher Service bleibt wichtig | 3.28 |
| Akzeptable Wartezeit an der Waage | 3.10 |
SWOT
Stärken
Domänennähe, bestehende Praxisprojekt-Basis und klare operative Schmerzpunkte.
Schwächen
Begrenzte Prototyptiefe, Integrationskomplexität und Abhängigkeit von Datenqualität.
Chancen
Self-Service-Wachstum, bessere Annahmedaten und skalierbare modulare Erweiterungen.
Risiken
Veränderungsresistenz, Security-/Compliance-Anforderungen und konkurrierende Tool-Erwartungen.
Software-Umfang
ERP-naher Scope
Unternehmenssoftware über Portal, Annahme und unterstützende operative Entitäten.
Modularer Aufbau
Feature-Module entlang Wiegen, Disposition, Dokumenten und Administration.
Portal-UI
Rollenbewusste Screens für Kunden und interne Nutzer über Geräte hinweg.
Preise/Dokumente
Strukturierter Umgang mit Verträgen, Preisen und PDF-Artefakten.
Digitaler Annahmeprozess
-
Schritt 1 – Vorankündigung
Kunde kündigt Lieferung mit Material- und Zeitkontext an.
-
Schritt 2 – Slot-/Kapazitätscheck
System prüft machbare Annahmefenster und Hofkapazitätssignale.
-
Schritt 3 – Digitaler Check-in
Ankunft wird vor oder am Tor mit erforderlichen Identifikatoren registriert.
-
Schritt 4 – Dokumentenerfassung
Lieferscheine und IDs werden per Formular und/oder OCR erfasst.
-
Schritt 5 – Hoflisten-Zuordnung
Fahrzeug/Ladung wird in die operative Hofliste eingeordnet.
-
Schritt 6 – Visuelle Inspektion
Materialqualitätschecks werden am Annahmefall dokumentiert.
-
Schritt 7 – Wiegen
Gewichte werden gemessen und mit dem digitalen Annahmedatensatz verknüpft.
-
Schritt 8 – Abweichungsbehandlung
Deklarierte vs. gemessene Differenzen lösen geführte Nachverfolgung aus.
-
Schritt 9 – Bestätigung
Kunde und interne Rollen erhalten Bestätigungsartefakte.
-
Schritt 10 – Reklamationspfad
Reklamationen können mit verknüpften Nachweisen eröffnet werden.
-
Schritt 11 – Buchungsvorbereitung
Saubere Annahmedaten werden für ERP-/Buchhaltungsfolgeschritte vorbereitet.
-
Schritt 12 – Archiv & Analytics
Dokumente und Kennzahlen bleiben für Controlling und Service abrufbar.
OCR und Machine Learning
OCR für Annahmedokumente
Optische Zeichenerkennung zur Reduktion manueller Neueingabe.
Rolle: Assistenz mit menschlicher Prüfung – kein unüberwachtes Buchen.
Grenze: Prototypgenauigkeit; Produktions-Tuning weiterhin nötig.
ML-Unterstützungskonzepte
Machine-Learning-Ideen für Klassifikation und Priorisierungsunterstützung.
Rolle: Entscheidungshilfe für Mitarbeitende mit Confidence-bewusster Prüfung.
Grenze: Nur teilweise konzeptionell/prototypisch abgedeckt.
Ergebnisse
Methodenkette validiert
Briefing → Analyse → Planung → DevOps funktionierte als integriertes Modell.
Nutzerzentrierte Anforderungen
Umfrage und Interviews verankerten Priorisierung in realen Bedarfen.
ERP-naher Prototyp
Breites Datenmodell und modulare Features näherten sich branchennahen ERP-Abläufen.
Digitale Annahme gestaltet
Ein 12-Schritt-Wiege-/Annahmeprozess wurde spezifiziert und prototypisiert.
Digitale Offenheit bestätigt
Kunden zeigten Bereitschaft zu digitalen Dokument- und Statusdiensten.
Persönlicher Service bleibt kritisch
Digitale Kanäle müssen Eskalation zu menschlicher Unterstützung erhalten.
OCR-Assistenz machbar
Dokumentenerfassung kann Tipparbeit reduzieren, wenn Prüfung mitläuft.
ML als Assistenzschicht
Machine Learning ist am glaubwürdigsten als Mitarbeiterassistenz, nicht als Vollautomatisierung.
Limitationen
Keine langfristige Rollout-Studie
Adoption über Monate/Jahre lag außerhalb des Arbeitsscopes.
Breite vs. Tiefe
Breite Prozessabdeckung begrenzte die Härtung jedes Moduls.
OCR als Proof of Concept
Erkennungsqualität war nicht produktionszertifiziert.
Teilweiser ML-Scope
ML-Features blieben konzeptionell/prototypisch.
Umfragegrenzen
Ergebnisse sind kontextgebunden und nicht branchenrepräsentativ.
Service-Erwartungsrisiko
Schwache digitale UX kann wahrgenommene Servicequalität schädigen.
Security-Tiefe
Vollständige Enterprise-Security-Härtung war nicht das Primärlieferobjekt.
Datenmodellkomplexität
Großes Schema erhöht Migrations- und Governance-Aufwand.
Empfehlungen
E1 – Mit Dokumenten & Annahme starten
Wiegescheine, Rechnungen und digitalen Check-in für frühen Nutzen priorisieren.
E2 – Menschen im Loop behalten
Eskalationspfade neben Self-Service gestalten.
E3 – Medienbrüche zuerst schließen
Neueingaben beseitigen, bevor Advanced Analytics folgt.
E4 – Rollenbasierter Rollout
Features nach Rolle und Standort einführen.
E5 – Integrieren, nicht isolieren
Portal-Reads/-Writes an ERP-Stamm- und Bewegungsdaten anbinden.
E6 – OCR mit Review-UX
OCR als assistierte Extraktion mit Confidence-Anzeige ausliefern.
E7 – Nach Pilot messen
KPIs definieren und in kontrolliertem Pilot messen.
E8 – Security & Tenancy früh
Zugriffskontrolle und Mandantentrennung als Release-Blocker behandeln.
E9 – DevOps-Disziplin halten
CI/CD und Umgebungen beim Systemwachstum beibehalten.
E10 – KI als nächste Schicht planen
Bereinigte Annahmedaten als Basis späterer KI-Assistenz nutzen.
Technologie-Stack
Backend
Frontend
DevOps
OCR / ML
Entwicklungslinie
-
2022 – Praxisprojekt
Erster DevOps-Zyklus und Portalprototyp.
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2023 – Bachelorarbeit
Nutzerzentrierte ERP-nahe Plattform und digitaler Annahmeprozess.
-
2025/2026 – Masterarbeit
KI-Use-Cases und NLP-Prototyp für branchennahe ERP-Prozesse.